In vino veritas - im Weine liegt die Wahrheit. Das ist seit 2000 Jahren bekannt. Doch eigentlich wohnen jedem Wein ja viel mehr als nur eine Wahrheit inne. Denn jeder schmeckt darin etwas anderes. Damit wir diese "Wahrheiten" nicht sofort wieder vergessen, schreiben wir sie hier auf.
Ein Cariñena ohne Carignan, aber dafür mit ordentlich Garnacha drin, wie man an der undurchsichtigen Farbe sieht. Die Nase ist etwas zurückhaltend, jedoch fein, mit zarter Frucht und Anklängen von Himbeeren. Der venöse Saft ist am Anfang noch recht angenehm mit einem Hauch Sauerkirsch, in der Mitte dann aber stark unharmonisch und rauh, kernig und leicht sauer. Aromen durchdringen all dies kaum. Na na na, eine solch ungehobelte Art will gar nicht so recht mit der netten Nase zusammengehen. Dann drängt es den aufgewirbelten Staub hinunter und es bleibt ein etwas längerer Nachhall, der aber leider an die negativen Seiten erinnert. So will keine Freude aufkommen. Nase und Zungenspitze finden trotzdem Gefallen an dem Tropfen, insgesamt aber nicht mehr ganz mein Geschmack.
Solo keine Empfehlung von meiner Seite, vielleicht etwas für den ambitionierten (Zigarren- oder Pfeifen-) Raucher.
Das Etikett enthält leider keinen Hinweis darauf, aus welchen Rebsorten der Wein sich zusammensetzt – die Seite des Verkäufers enthält die gesuchten Informationen. Man hätte es sich ja auch denken können…
Das Bukett mit Anklängen dunkler roter Beerenfrüchte ist ein wenig zurückhaltend. Im Hintergrund eine leichte Alkoholnote. Eher frisch als fruchtbetont. Den Mund füllt der Wein ganz gut aus. Brombeeren und dunkle Kirschen sind dominierend, haben ihren Reifezeitpunkt aber ein wenig überschritten. Dazu gesellt sich noch ein bisschen Pflaumenmus. Kaum Säure und, wie ich finde, dazu passend kaum Adstringenz. Ein kurzer, unspektakulärer Abgang. Der Wein macht satt, das hält aber nicht lange vor.
Ein recht geselliger Zeitgenosse, der Santo Cristo, wirklich gute Freunde werden wir jedoch heute nicht mehr. Die fehlende Nase wirkt sich auch auf die Zunge aus, zumal sich die Früchte auch hier nicht von ihrer besten Seite zeigen. Aber wie schon erwähnt: ein recht geselliger Zeitgenosse.
Mal wieder einen Chilenen. Da werden Erinnerungen an den Aroma Fresa wach. Der Viajero ist ein Angebotswein von Lidl, aber mit 7,99 € nicht gerade günstig. Ich bin gespannt was der Wein zu bieten hat.
Das Etikett ist sehr schön gestaltet und enthält alle wesentlichen Informationen. Der Korken bröselt leicht. Im Glas dann erstmal Ernüchterung. Die Nase erkennt zwar sortentypische Cabernet-Aromen, diese treten aber leider nicht deutlich und intensiv hervor. Das Spektrum an Aromen ist durchaus breit, jedoch fehlt die Klarheit, Einfachheit und die Intensität. Der Wein ist ein Zungenschmeichler, keine Frage. Angenehm weich, mit guter Balance zwischen Säure und Tanninen, so rinnt er dem Gaumen entgegen. Die Aromen werden auf der Zunge aber nicht besser, vielmehr bestätigt sich der Eindruck der Nase. Der Wein wirkt etwas kompliziert, fast als würde sich hinter der breiten Front von Aromen Unreinheiten verbergen. Altes, eingeweichtes Holz fällt mir ein. 14 Monate in französischer Eiche wäre die Erklärung, nur dass mir diese Nuancen bei einem solchen Ausbau neu sind.
Beim dritten Glas auf einmal ein Moment der Klarheit. Klare, anregende Frucht! Doch sofort ist sie wieder weg und bleibt auch für den Rest des Abends verschollen. Leider.
Was bleibt ist jedenfalls der Eindruck einen Wein vor mir zu haben, der zwar in der Breite gut aufgestellt ist, dennoch nur mit dem Mundgefühl punkten kann. Für 7,99 € ist mir das eindeutig zu wenig.
Ersteindruck: Rundum zufriedene Nasen machen Vorfreude. Dieser Wein hat die Sonne eingefangen. Fruchtig, mit ausgeprägter Süße. “Fruchtyogurt” und “Marmelade” schallt es aus den billigen Reihen. Welche Frucht wird nicht sofort klar. Erdbeere wird eingeworfen, kurz steht schwarze Johannisbeere im Raum, beides wird bezweifelt. Das Etikett behauptet Kirsche. “Dunkle Beerenfrüchte” scheinen ein geeigneter Kompromiss. “Im Grundkörper Erdbeere, das wird zu Kirsche, und in der Spitze wird’s zur Pflaume” ist die ambitionierste Beschreibung. Der Wein gefällt! Die Farbe ist ein schönes Rot, ins Bräunlich-Violette hineinspielend.
Nach ner Weile: Im zweiten Glas bestätigt sich zunächst der erste Eindruck. Aber dann…. die Abwesenheit eines soliden Säuregerüsts lässt sich nicht mehr leugnen. Sonne hatte der Wein, aber nur ganz entfernt schmeckt man den Holzausbau. Der Geruch entwickelt sich nicht positiv, lässt sogar ungute Nebengerüche zu. Die Früchte zu harmlos, zu gefällig, wecken jetzt mehr Misstrauen als Begeisterung. Was keiner von uns zu Beginn gedacht hat: der Cabernet Sauvignon verabschiedet sich weit schwächer als anfangs erhofft.
Ersteindruck: Blume mit Holznoten, Lakritz, rund, harmonisch. Der Geschmack ist vielfältig, rund, lässt allerdings recht schnell nach, wirkt auf der Höhe sogar etwas dünn. Nicht ohne Säure. Wirkt im Abgang länger nach, entfaltet neue Noten nach Karamel, leicht rauchig. Langanhaltender angenehmer Nachhall.
Nach ner Weile: Nach einigen Gläsern dominieren Waldbeeren- und Holznoten, jedoch nicht in den Spitzen, sondern eher im Grundkörper. Der Wein bleibt ganzheitlich, aber nicht komplex. Läuft. Begleitete den Käse sehr angenehm, entwickelt sich aber wenig. Insgesamt: zurückhaltend, aber dennoch ausgewogen und solide. Angesichts der Breite überrascht der niedrige Preis (keine deutlichen Fehler!). Für diesen Preis eine Kaufempfehlung, auch wenn wir vermuten, dass er nach einigen Flaschen langweilig wird.
Anna meint: Hübsches Etikett!
Am nächsten Tag: Der Wein hat so gut wie nichts an Geschmack und Geruch eingebüßt, hinterlässt aber einen trockeneren Eindruck.