In Vinis Veritates |

Das Weintagebuch

Vinha do Foral, Jaime Quendera

Wednesday May 26, 2010

Name: Vinha do Foral

Anbaugebiet: Setúbal, Portugal

Rebsorten: Fernão Pires

Jahrgang: 2009

Wo gekauft: JWD

Preis: 4,95 Euro

Zum Wolfsbarsch in Folie heute ein junger Portugiese, oder vielleicht eine junge Portugiesin, denn dieser Vinho kommt (warum eigentlich?) als Vinha daher. Sehr harmloses Bukett, angestrengtes Schnüffeln ergibt einige Frucht- und Blütentöne, wie ein zurückhaltendes Parfum. Zurückhaltend auch im Geschmack, frisch und leicht, etwas Zitrone, Orange, wohl auch ein wenig Honig. Hellgelb bis weiß übrigens auch die Farbe dieses recht unscheinbaren, aber leckeren und erfrischenden Sommerweines ohne große Akzente und ohne viel Tiefgründigkeit.

Ji Ye sagt: Lecker.


Le Clos, Domaine Sainte-Eugénie

Tuesday May 25, 2010

Name: Le Clos Millésime

Anbaugebiet: Aude, Frankreich

Rebsorten: Merlot, Carignan, Grenache, Cabernet Sauvignon

Jahrgang: 2007

Wo gekauft: JWD

Preis: ca. 5 Euro

Angenehm schlichtes Eti- und Bukett, ersteres kommt mit drei Worten aus, zweiteres mit leichten Frucht- und Gewürznoten. Recht trocken im Mund, einige gut abgerundete Tannine machen den Wein herb und nicht ganz gefällig im dritten Fünftel, aber mit langem, aromatischen Abgang. Insgesamt wirklich gut vinifiziert und sehr ausgewogen! Ein gutes Beispiel für einen gelungenen südfranzösischen Wein, nicht zu fruchtig, nicht zu stark ausgebaut, aber vollmundig und intensiv. Einfach und gut. So wie der Name.


Cabernet Sauvignon, Finca Beltran Duo

Sunday May 2, 2010

Name: Finca Beltran Duo

Anbaugebiet: Mendoza, Argentinien

Rebsorten: Cabernet Sauvignon

Jahrgang: 2008

Wo gekauft: JWD

Preis: 4,90 Euro

Dieser Wein hat seinen stärksten Auftritt gleich am Anfang: satte tiefrote Farbe, perlt sehr sanft im Glas, die hohe Viskosität lässt ihn fast ölig erscheinen. Volles, fruchtiges Bukett nach Zimt und Kirschen. Der Geschmack überzeugt durch den vollen Körper, hier dominiert zu Beginn Sauerkirsch, dann auch Brombeere und Tabak. Johannisbeere hält sich im Hintergrund, kaum zu schmecken, und ich hätte diesen Tropfen blind nicht als Cabernet erkannt. Trotzdem, die Frucht überzeugt.

Im Abgang wird dann der hohe Tanningehalt erkennbar. Der Wein ist doch recht rauh in der Kehle. Dieser Eindruck verstärkt sich leider mit der Zeit. Nach ein paar Stunden an der Luft ist die Fruchtigkeit größtenteils verflogen, und der Wein hinterlässt ein rauhes, pelziges Gefühl im Mund. Immer noch lecker, aber kein reiner Genuss mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob die Flasche einfach noch hätte weiter reifen sollen, aber für einen Neuweltwein ist der Finca Beltran ein etwas ruppiger Zeitgenosse.


Le Bosc Rosé

Sunday Apr 18, 2010

Name: Le Bosc

Anbaugebiet: Pays d’Oc

Rebsorten: Cabernet Franc, Syrah

Jahrgang: 2008

Wo gekauft: JWD

Preis: 4,90 Euro

Zunächst präsentiert sich dieser Wein so wie er sein soll: frisch, aromatisch, fruchtig. Ich setze ihn heute zum Wiener Schnitzel ein, das weintechnisch ja nicht ganz eindeutig ist (eigentlich natürlich eher ein Gericht für ein Bier, aber das war nicht im Haus). Gefällig ist er, säurearm, und tanninarm sowieso, und so läuft er erst mal gut rein.

Nach ner Weile wird dann deutlich: die Aromen von Erdbeere und Traubensaft wissen zwar zu gefallen, auch das Bouquet ist einigermaßen intensiv, aber völlig rein im Geschmack ist der Wein leider nicht. Gerade im Abgang macht sich ein hefiger Unterton bemerkbar, der darauf hinweist, dass dieser Wein nicht ganz sauber vinifiziert wurde. Leider reiht er sich damit ein in die anderen Weine dieses Hauses. Der Weiße (Chardonnay-Sauvignon) ist zwar süffig, aber zu stark geschwefelt und macht Kopfschmerzen, der Rote (Merlot-Syrah) hat einen muffigen Haut-gout. So gesehen ist dieser Vertreter noch der seriöseste unter den Geschwistern, aber letztendlich ist dieser Wein Schlabberwasser.

Ji Ye sagt: So-so.


Marrenon Rouge 2008

Thursday Apr 15, 2010

Name: Marrenon Rouge

Anbaugebiet: Luberon, Rhônetal

Rebsorten: Grenache, Syrah

Jahrgang: 2008

Wo gekauft: JWD

Preis: 3,95 Euro

Ersteindruck: Die Farbe ist recht dünn. Die Nase ist aromenarm. Der erste Schluck hat wenig Körper, ist aber fruchtig frisch und wirkt nach einem harten Arbeitstag belebend.

Dann: Der Wein nimmt über mehrere Gläser keine Fahrt auf. Man hat eher den Eindruck die gefällige und harmonische Frucht baut ein wenig ab. Der Wein ist wie ein junges Rind: verspielt, aber kulinarisch weniger Interessant als ein reiferes Exemplar seiner Gattung. Auffallend, im Vergleich zum wenig ausgeprägten Körper, ist die Mineralität. Die Flasche hat sich zwar schneller geleert als wir dies vermutes hätten, aber dies kann auch daran gelegen haben, dass ein BVG-Ticket nur eine Gültigkeit von 2 Stunden besitzt.


Riesling Classic, Ruppertsberger

Sunday Apr 11, 2010

Name: Riesling Classic

Anbaugebiet: Ruppertsberg/Weinstraße

Rebsorten: Riesling

Jahrgang: 2008

Wo gekauft: JWD

Preis: ca. 6 Euro

Trotz der noch kühlen Temperaturen naht schon die Zeit, wo man die schweren Rotweine im Schrank lässt und die feinen, leichten Weißweine hervorholt. Quasi zum Warmwerden heute also ein Riesling von der Weinstraße. Wenig im Bouquet außer einer leichte Alkoholnote (trotz der harmlosen 12%). Der erste Schluck: spritzig, recht sanft, recht gute Säurestruktur, aber vom typischen Riesling-Geschmack ist nicht so viel zu merken. Der Wein hat keine hervorstehenden Fruchtaromen irgendeiner Art, ist auch nicht sonderlich mineralisch. Süffig zwar, trinkt sich gut, nachdem er sich aber ein wenig erwärmt hat, ist er meiner Ansicht nach nicht mehr von einem billigen Supermarktwein zu unterscheiden. Durchaus angenehm zu trinken, aber das gilt für Graf Karolyi auch.


Santo Cristo Crianza

Thursday Mar 4, 2010

Name: Santo Cristo Crianza

Anbaugebiet: Campo de Borja, Spanien

Rebsorten: Tempranillo, Garnacha

Jahrgang: 2005

Wo gekauft: JWD

Preis: 4,60 €

Das Etikett enthält leider keinen Hinweis darauf, aus welchen Rebsorten der Wein sich zusammensetzt – die Seite des Verkäufers enthält die gesuchten Informationen. Man hätte es sich ja auch denken können…

Das Bukett mit Anklängen dunkler roter Beerenfrüchte ist ein wenig zurückhaltend. Im Hintergrund eine leichte Alkoholnote. Eher frisch als fruchtbetont. Den Mund füllt der Wein ganz gut aus. Brombeeren und dunkle Kirschen sind dominierend, haben ihren Reifezeitpunkt aber ein wenig überschritten. Dazu gesellt sich noch ein bisschen Pflaumenmus. Kaum Säure und, wie ich finde, dazu passend kaum Adstringenz. Ein kurzer, unspektakulärer Abgang. Der Wein macht satt, das hält aber nicht lange vor.

Ein recht geselliger Zeitgenosse, der Santo Cristo, wirklich gute Freunde werden wir jedoch heute nicht mehr. Die fehlende Nase wirkt sich auch auf die Zunge aus, zumal sich die Früchte auch hier nicht von ihrer besten Seite zeigen. Aber wie schon erwähnt: ein recht geselliger Zeitgenosse.


Salice Salentino

Tuesday Feb 23, 2010

Name: Salice Salentino

Anbaugebiet: Apulien

Rebsorten: Negroamaro

Jahrgang: 2006

Wo gekauft: JWD

Preis: 6,40 €

Was für ein schönes Etikett… und ein angenehmer Geruch… nach reifen Beeren und abgebeiztem Holz…. wenn auch ein wenig stumpf…. allgemein große Vorfreude auf den ersten Schluck dieses auch farblich sehr ausgewogenen Weines. Hmm. Aromatisch, recht intensiv, voller Körper, Anklänge von roten Früchten, aber auch irgendwie mineralisch. Und nicht nur mineralisch – wonach schmeckt das noch? Laut schlürfend die Aromensuche. Rostig, metallisch, eisenhaltig – Blut!! So ist es. Dieser Wein schmeckt nach Blut. Hat man das Bild einmal im Kopf, ist es kaum zu ignorieren. Blutdürstig schlürfen wir die Gläser leer. Der einzige Ungläubige in der Runde kriegt sogar eine Eisentablette serviert, um ihm von der genuin sanguinischen Qualität des Gesöffs zu überzeugen. Zugegeben, die Flasche ist schnell leer, soweit reicht die Abneigung vor dem eigenen Körpersaft dann doch nicht. Blut ist dicker als Wasser, also rein damit. Die Offenbarung war der Salice Salentino aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Eine volle Empfehlung sprechen wir aus für Schwangere nach der Entbindung, Untote sowie strenggläubige Katholiken zwecks Zelebrierung der Eucharistiefeier.


Diego de Almagro Crianza

Tuesday Feb 23, 2010

Name: Diego de Almagro Crianza

Anbaugebiet: Valdepeñas

Rebsorten: Cencibel

Jahrgang: 2002

Wo gekauft: JWD

Preis: 4,90 €

Angesichts des Alters entschlossen wir uns, den Wein zu dekantieren. Die Farbe ließ nichts gutes erahnen. Was bei Menschen die sprichwörtliche Leichenblässe, ist beim Wein das tote, trübe Dunkel-Violett ohne Reflexe und Farbenspiel. Der Geruch gar nicht so schlecht, allerdings schon leicht essigartig. Die Runde trank – und blieb höflich. Etwas rauchig, etwas sauer, befand man. Könnte vielleicht ein guter Essig draus werden? Ob man den Wein kurz zurückstellen könne, vielleicht würde er sich ja noch entwickeln. Stunden später war klar: der entwickelte sich nicht mehr. Der war tot.


Gran Marius, Bodegas Piqueras

Saturday Jan 30, 2010

Name: Gran Marius

Anbaugebiet: Al Mansa

Rebsorten: Monastrell, Tempranillo, Syrah, Garnacha Tintorera

Jahrgang: 2004

Wo gekauft: JWD

Preis: 6,40 €

Die Farbe: tiefdunkel, mit schönem Weinrot, wie man es von einem alten Wein nicht mehr unbedingt erwarten möchte. Die Flasche wurde schon vor einer Stunde geöffnet und der Wein ist trinkbereit. In der Nase ist zunächst nicht viel zu spüren. Der erste Schluck: jau. Sehr lecker. Starke Röstnoten, körperreich, “geräucherter Speck”, Curry nennt die anwesende Dame als ersten Eindruck. Auch “Piment” ist zu hören. Betreffend der Intensität sind sich die Anwesenden nicht einig: überwiegend wird dem Wein ein dichter, intensiver Charakter bescheinigt, aber eine Anwesende hält den Wein im ersten Moment für “dünn”.

Nach einer Weile wird der Wein runder und ausgewogener. Der Gran Marius ist ein sehr, sehr solider Tropfen, nicht sonderlich fruchtig, aber hervorragend ausgebaut, variantenreich und sehr angenehm zum Entrecôte, das er heute begleiten darf. Auffallend ist, wie sehr er nach ein paar Stunden noch dazugewinnt, und wärmer und weicher erscheint als zu Beginn.