In vino veritas - im Weine liegt die Wahrheit. Das ist seit 2000 Jahren bekannt. Doch eigentlich wohnen jedem Wein ja viel mehr als nur eine Wahrheit inne. Denn jeder schmeckt darin etwas anderes. Damit wir diese "Wahrheiten" nicht sofort wieder vergessen, schreiben wir sie hier auf.
Direkt nach dem Öffnen perlt der Mallorquiner schwer und tiefrot ins Glas. Im ersten Schluck massive und breite Fruchtaromen, die zunächst alles überdecken, mit einem intensiven Geschmack nach Johannisbeergelée. Nach einigen Schlucken mindert sich die breite Aromenfront und ein wenig Holz tritt zutage. Die Nase verrät den recht hohen Alkoholgehalt und lässt wenig Aromen durch. Als der Wein im Magen ankommt, erstaunt die trotz der Schwere des Weins doch merkliche Säure.
Nach einiger Zeit wandelt sich der Charakter des Weins. Die Schwere mindert sich und wird ersetzt durch ein mineralisches und nicht gerade reichhaltiges Aromengerüst. Einzelne Aromen herauszufinden fällt schwer – möglicherweise Erdbeer, Schnupftabak, unreife Brombeere, Waldboden. Positiv: der Abgang ist angenehm, der Geschmack langanhaltend, die Astringenz gerade richtig. Lässt man den Wein im Glas kreisen, fallen Schattierungen auf, die man sonst selten sieht – in sonst tiefem Rot fast rosa- oder lachsfarbene Reflexe.
Fazit: erfrischend anders, ein Trinkerlebnis abseits der üblichen Standards, wohl auch bedingt durch die unüblichen Rebsorten. Dabei gut trinkbar, die Flasche hat sich mal wieder zu schnell geleert.
Erste Nase direkt nach dem Öffnen noch sehr alkoholisch, dieser Eindruck verfliegt aber nach ein paar Minuten. Dann sehr rundes Bukett nach dunklen Früchten und etwas Holz. Der Geschmack dieses Côtes du Rhône ist ebenso rund, vollmundig, gut ausgebaut und mit feinen Tanninen. Man schmeckt die Sonne Südfrankreichs, und der Wein kommt auch mit 13,5% Vol. daher; dennoch fehlt auch eine solide Säurestruktur keineswegs. Längeres Schnüffeln und Durch-die-Zähne-ziehen entlockt dem Wein ein wenig Lakritz, aber aromenmäßig bleibt das Tröpfchen recht konventionell.
Ein durchweg überzeugender, wenn auch in keinem Bereich wirklich hervorstechender Wein, der zu allen herzhaften Herbst- und Wintergerichten eine gute Figur machen dürfte.
Der Sangiovese von Farnese ist ja in diesem Blog schon positiv aufgefallen, und der Primitivo desselben Hauses soll noch eine Spur besser sein. Da es immer so laut im Innenhof scheppert, wenn ich sonntagmorgens meine leeren Weinflaschen gen Recycling in die Tonne trete, hab ich aus Rücksicht auf meine Nachbarn mal wieder zum Schlauch gegriffen. O’zapft is.
Ein beeriges, fruchtig aromatisches Aroma entströmt diesem tiefdunklen Roten. Noten von Erdbeer, (stärker) Kirsche und ein klein wenig Orange vermischen sich, ihre Intensität verleiht ihnen eine gewisse brausehafte Künstlichkeit, die aber nur bei starkem Beschnuppern des Tröpfchens zutage tritt. Ein vollmundiger, dominanter Körper grüßt den Gaumen, erinnert an die Sonne Italiens, kommt aber nicht ohne eine starke Säurestruktur daher. Das Geschmackserlebnis dann sehr stabil, bodenständig, zechfest. Ein kurzer, aber angenehmer und harmonischer Abgang rundet diesen ausgewogenen, angenehmen und nicht gerade zartbesaiteten Wein ab. Etwas für kräftige Speisen, die sich von einem dominanten Wein nicht die Show stehlen lassen, und tatsächlich auch für Pizza und Pasta. Für einen guten Flaschenwein hätte dieser Primitivo zu wenig Raffinesse, als Schlauchwein macht er seinem Namen alle Ehre und ist ein verlässlicher Tropfen für unaufgeregte Abende.
Ein Cariñena ohne Carignan, aber dafür mit ordentlich Garnacha drin, wie man an der undurchsichtigen Farbe sieht. Die Nase ist etwas zurückhaltend, jedoch fein, mit zarter Frucht und Anklängen von Himbeeren. Der venöse Saft ist am Anfang noch recht angenehm mit einem Hauch Sauerkirsch, in der Mitte dann aber stark unharmonisch und rauh, kernig und leicht sauer. Aromen durchdringen all dies kaum. Na na na, eine solch ungehobelte Art will gar nicht so recht mit der netten Nase zusammengehen. Dann drängt es den aufgewirbelten Staub hinunter und es bleibt ein etwas längerer Nachhall, der aber leider an die negativen Seiten erinnert. So will keine Freude aufkommen. Nase und Zungenspitze finden trotzdem Gefallen an dem Tropfen, insgesamt aber nicht mehr ganz mein Geschmack.
Solo keine Empfehlung von meiner Seite, vielleicht etwas für den ambitionierten (Zigarren- oder Pfeifen-) Raucher.